Mittwoch, 14. Oktober 2020
Leider
Mama und Papa sind beschäftigt. Sie sitzen zwar theoretisch mit am Tisch, aber man merkt es ihnen an – das Beschäftigtsein. Kai schaut zu seiner Schwester Maike hinüber. Sie guckt nicht hoch. Maike hat für sich verstanden, dass es am besten ist, Mama und Papa einfach machen zu lassen. Dann schimpfen sie nicht, und sagen an Weihnachten zur Familie, was für ein liebes Kind die Maike ist, ganz umkompliziert, so schön ruhig. Deswegen schaut sie einfach auf ihren Teller und träumt vor sich hin.
Kai macht das wütend. Er würde jetzt am liebsten sagen, was Phase ist, und dass Mama und Papa wenigstens mal fragen könnten, wie es in der Schule läuft oder was er und Maike eigentlich den ganzen Tag alleine zu Hause so machen. Aber da müsste die Kleine mitziehen, alleine bringt es nichts, und sie zieht nicht mit, sie sitzt immer nur da und schweigt und guckt unschuldig. Jetzt treffen sich Papas und Maikes Blick zufällig, und Papa lächelt. Klar. Maike war schon immer Papas Lieblingskind. Nur, weil sie ein Mädchen ist, und vielleicht ein bisschen musikalischer und besser in der Schule. Kai hatte früher auch gute Noten, in der Grundschule, aber das hat niemanden interessiert. Dass die Noten jetzt schlechter sind, interessiert auch niemanden. Und sie lernt ja nichtmal, es fliegt ihr einfach so zu! Das mögen Mama und Papa. Wenn Sachen einfach wie am Schnürchen funktionieren.
Maike denkt ans Turnen. Sie turnt nur in der Schule, in einer AG – Mama hätte sie nie im Leben im Verein angemeldet, Mama hat keine Zeit für sowas. Maike hat‘s ja versucht, Mama das Prospekt hingehalten und Mama hat genickt und gesagt Ich guck‘s mir mal an, aber ein paar Tage später lag das Prospekt im Altpapier und es wurde nicht mehr drüber gesprochen. Das ist mit allem so, als Maike Klavier spielen wollte und beim Jugendphilharmoniechor vorsingen, hat Mama auch immer gesagt, sie guckt es sich mal an, und dann passierte nichts. Es bringt nichts, darüber zu diskutieren, Mama sagt dann nur Ach Schatz, ich hab‘s vergessen, ich kümmere mich gleich morgen drum und dann verläuft es sich im Sande. Wenn man nicht für alles immer die Unterschrift und das Geld eines Erwachsenen brauchen würde, wäre das gar kein Problem. So ist es eins. Aber die Lehrerin von der AG hat gesagt, wenn Maike viel trainiert, wäre sie vielleicht auch bald auf dem Niveau von den Vereinsmädchen und könnte auch zu Wettbewerben fahren. Die Vereinsmädchen trainieren fünfmal pro Woche, aber Maike arbeitet hart. Sie macht zwischendurch Liegestütze und Sit-ups, zwischen den Hausaufgaben, denn sie will die Beste sein, in der Schule und im Sport, und für alles muss man hart arbeiten, da führt kein Weg dran vorbei. Wie hart sie arbeitet, sieht keiner – aber umso besser, wenn es aussieht, als müsse sie das gar nicht. Umso besser. Mama und Papa lieben Sachen, die einfach wie am Schnürchen funktionieren.
Papa steht auf, räumt seinen Teller in den Geschirrspüler und sagt: „Ich muss nochmal kurz ins Büro.“ Niemand widerspricht. Mama nickt nur, sammelt die Teller von Maike und Kai ein und fragt, ob es geschmeckt hat. Kai murmelt: „Geht so.“
Mama guckt genervt. „Weißt du, Kai, ich kann hier auch Miracoli hinstellen. Ich muss nicht extra früher aus dem Geschäft kommen, um noch zu kochen. Du könntest auch ruhig mal dankbar sein.“
Maikes Blick gräbt sich nur tiefer in den Teller. Feige Nuss, denkt sich Kai, und sagt: „Na und, dann mach doch Miracoli! Ist mir doch egal!“
Papa sieht von einem zum andern, als würde er etwas sagen wollen, dreht sich dann um und ruft im Gehen: „Ich geh los, bis nachher!“ Es geht ihn nichts an, denkt Kai, es ist ihm egal, und er verachtet sie beide, Papa und Mama, die verstehen einfach nicht, um was es geht.
Mama verschränkt die Arme und guckt streng. „Was soll das, Kai?“
„Ich sag doch nur, ist mir egal, was es zu Essen gibt. Gib mir von mir aus Geld und ich hol‘ mir einen Döner. Scheißegal.“
„Ihr seid verwöhnt. Ihr wisst gar nicht, wie gut ihr es habt. Was ich hier alles dafür tue, dass wir wenigstens einmal am Tag alle zusammensitzen und ein frisch gekochtes, gesundes Essen haben.“
Kai guckt zornig zu Maike. Jetzt ist genau so ein Moment, wo man mal was sagen müsste. Maike schweigt. Jetzt ist genau so ein Moment, den man am besten an sich vorbeiziehen lässt. Kai kommt wahrscheinlich nachher wütend in ihr Zimmer und sagt irgendwas. Da wird sie dann auch am besten schweigen.
„Jaja“, sagt Kai, steht auf und geht. Mama und Maike sitzen sich noch einen Moment gegenüber, Mama seufzt laut und räumt den Geschirrspüler ein. Maike geht dann auch. Was soll sie auch sagen. Bringt ja nichts. „Ihr seid verwöhnte Kinder“, sagt Mama vor sich hin, Maike weiß nicht, ob es ihr wirklich gilt oder nicht.
Kai kommt rein, ohne anzuklopfen – er klopft nie, aber sie erkennt seine wütenden Schritte im Flur und legt schnell eine Zeitschrift über die Schulsachen und tut so, als würde sie lesen.
„Was sollte das vorhin?“, fragt er.
„Was?“ Er knallt die Tür hinter sich ins Schloss. Ganz ruhig, denkt Maike. Einfach vorüber ziehen lassen.
„Du weißt genau, wovon ich rede!“
„Nein, weiß ich nicht.“
„Du sitzt da immer nur und sagst nichts! Und ich krieg den Ärger!“
Was weißt du von dem Ärger, den ich kriege, denkt Maike. Was weißt du davon, wie oft Mama „ihr“ sagt und dich meint, aber du gehst ja immer einfach raus, du bleibst nicht lange genug, um zu hören, wie sie über dich reden, wie genervt sie von dir sind.
„Jetzt guck nicht nur!“, schreit Kai, „Jetzt sag auch mal was! Du sitzt da immer nur und guckst!“ Es macht ihn wahnsinnig. Er ist der einzige, der sich hier für irgendwas einsetzt, der einzige, der kämpft. Er will zum Teufel eine normale Familie. Er will, dass Mama und Papa mit ihnen in den Urlaub fahren, wie die Eltern von seinen Kumpels. Seine Kumpels finden ihre Eltern nervig, aber Kai würde sofort tauschen. Er will Eltern, die ihn nerven. Er will Eltern, die seine Aufsätze lesen und mit ihm Fußball gucken oder Tatort oder sonst irgendwas. Und Maike sitzt immer nur da und ist mit allem einverstanden. Er könnte sie erwürgen.
Maike zuckt zusammen. Kai schreit oft, aber sie wird sich nie daran gewöhnen. Er ist der Ältere, er war vor ihr da, er war vor ihr schon so, sie duldet es. Aber daran gewöhnen wird sie sich nie. Sie wird immer Angst haben, so wie sie vor allem Angst hat, das laut ist. Das einzige was hilft, ist, es vorüberziehen zu lassen. Sie denkt ganz fest ans Turnen, an ihre Fortschritte.
An was die immer so denkt, will ich wirklich mal wissen, fragt sich Kai. Irgendwas muss doch in diesem Kopf vorgehen. Jetzt zuckt sie gleich wieder zusammen, als hätte ich sie geschlagen. Muss ich sie mit Samthandschuhen anfassen oder was! Nein, das muss sie jetzt mal aushalten. Ich sag doch nur, wie es ist. Ich bin der einzige hier, der überhaupt irgendwas sagt.
Maike schaut zu Boden. Sie glaubt nicht, dass Mama was gehört hat, sie sitzt im Wohnzimmer vor dem Fernseher und macht nebenbei irgendwas für irgendeinen Kunden. Einfach vorüberziehen lassen. Irgendwann regt Kai sich ab und geht wieder. Oder er geht wieder und regt sich dann erst ab. Die Reihenfolge ist ihr egal, er soll sich nur endlich abregen und nicht da stehen, breitschultrig und mit diesem wütenden Gesicht, das aussieht, als würde er sich von innen in die Kinnmuskeln beißen.
„Sag mal, hast du überhaupt nichts dazu zu sagen? Hast du gehört, wie Mama mich vorhin in der Küche angeschissen hat? Findest du denn gar nicht, dass ich Recht habe? Mann, die Frau findet sich so geil dafür, dass sie hier mal auftaucht und kocht! Das ist doch-“
Maike zuckt die Schultern. Klar, Mama und Papa sind fast nie zu Hause. Sie hat sich daran gewöhnt. Es ist nichts, was sie ändern kann. Sie will nur keinen Ärger haben, und das was Kai da macht, bedeutet Ärger. Maike will nur ihre Ruhe. Sie will in Ruhe arbeiten. An sich. An ihren Zielen. Sie wünschte, sie könnte Kai das mal sagen, aber dann würde er komplett ausrasten und sie bei den Haaren packen und schütteln und gegen die Wand schubsen, wie damals, als sie gesagt hat, er solle seine Wut nicht an ihr auslassen. Wut nicht an dir auslassen?, hatte er gebrüllt. Ich geb dir gleich Wut auslassen! Sie versucht, sich zu erinnern, um was es damals ging. Da hatte er auch einen Streit mit Mama und Papa gehabt und war dann zu ihr ins Zimmer gestapft. Ach ja, damals hatte seine Klasse irgendwas aufgeführt, irgendwas mit Musik, und er hatte Mama und Papa eingeladen und die haben gesagt Da können wir nicht, da sind wir doch noch im Geschäft. Bitte, hatte Kai gesagt, nur einmal, weil er schon wusste, dass es aussichtslos war, aber Papa hatte nur gesagt Wie soll denn das gehen, das ist ein Montag, und Kai hatte Maike bittend angeschaut. Aber was sollte Maike da machen. Montags hatten die Eltern immer am meisten zu tun. Das hätte er wissen müssen. Auch wenn es kein Montag gewesen wäre, wären sie nicht gekommen. Das hätte er einfach wissen müssen.
„Das kann so nicht weitergehen!“, schreit Kai, „Merkst du überhaupt, wie scheiße das hier läuft? Die interessieren sich einen Dreck für uns! Wir müssen jetzt endlich mal was unternehmen!“ Die blöde Kuh ruht sich einfach darauf aus, dass sie das Lieblingskind ist! Es ist unfassbar! Weil sie ein Mädchen ist, weil sie ein zartes Pflänzchen ist, weil sie immer gleich traurig zu Boden schaut, wenn mal einer die Wahrheit sagt! Kai hat Wodka in seinem Zimmer – gehört seinen Kumpels, die haben es hier gebunkert, weil Kai der einzige ist, bei dem ganz sicher keiner was sagt. Klar, hier kommt keiner und kontrolliert das Zimmer, und selbst wenn, was interessiert es Mama und Papa, was er in seinem Zimmer hat? Vielleicht sollte er das Zeug einfach mal trinken, dann ist es ihm egal, dann sage er ihnen mal die Meinung. Aber vor allem soll die Kleine sich auch mal bewegen! Er ballt die Fäuste. Maike guckt erschrocken, Kais Halsadern treten hervor. Bitte, keinen Ärger, denkt sie, bitte, ich ertrage das nicht mehr. Das Geschrei. Die Vorwürfe.
„Geh raus“, sagt sie ganz leise, „bitte.“
„Was?“
Maike schluckt. Mann, kann die nichtmal vernünftig mit ihm reden? „WAS!“, schreit Kai, „Red doch mal lauter!“
„Du sollst raus gehen.“
Kai könnte auf sie losgehen. „Du merkst es nicht! Du merkst einfach gar nichts! Ich soll rausgehen! Warum! Hast du jetzt Angst vor mir oder was?“ Er nimmt ein Buch vom Schreibtisch und wirft es gehen die Wand. Zum Teufel, was er will ist doch auch nur zu ihrem Besten. Er sieht doch, wie sie leidet. Wie gerne sie ihren Sport da machen wollte und Mama und Papa sie da nie unterstützt haben. Wie still und verschlossen sie geworden ist. Er will doch nur, dass es allen gut geht, aber da ist er wohl der einzige, und das macht ihn wütend. Es macht ihn scheiß-wütend, dass er hier immer als der Böse dargestellt wird, obwohl er eigentlich der einzige ist, der für alle nur das Beste will.
Kai rennt raus in den Flur. Papa kommt gerade durch die Tür. Mit diesem Blick, den er immer drauf hat, als wüsste er, was hier gerade passiert, aber er weiß gar nichts, Kai findet das zum Kotzen arrogant, dass Papa sich hier als das Familienoberhaupt aufspielt und eigentlich nichts weiß und nichts mitbekommt, gar nichts. Nur weil er sich abends mal mit an den Tisch setzt und an Weihnachten ganz fürstlich die Gans mit der Geflügelschere auseinanderschneidet, aber eigentlich hat er gar keine Daseinsberechtigung, eigentlich müsste man ihn rausschmeißen.
Er brüllt los: „Du verdammter-“ Danach ist es nur noch ein einziger langer Schrei. Die Regel, dass man seine Eltern nicht zu beschimpfen, nicht einmal zu kritisieren hat, ist so tief in Kai drin, dass er den Satz gar nicht zu Ende bringt. Er steht nur im Flur, vornübergebeugt, mit hochrotem Kopf, guckt Papa in die Augen, hat das Gesicht zu einer schmerzlichen Grimasse verzerrt und schreit. Maike und Mama kommen in den Flur und sehen zu. Keiner sagt etwas. Papas Gesicht bleibt wie versteinert in seinem Ich-hab-hier-alles-unter-Kontrolle-Blick, Mama reißt die Augen weit auf, Meike weiß nicht, wie sie aussieht, ihr geht das hier alles schon wieder zu schnell, zu nahe. Kai steht da und brüllt. Er hat sich lange genug zurückgehalten, er hat lange genug zugeguckt, so oft hat er nichts gesagt, wenn Mama und Papa abends nochmal weggegangen sind als wäre das das Normalste der Welt, wenn sie nicht zugehört haben, wenn sie nicht zum Elternabend gegangen sind oder über Oberflächlichkeiten geplaudert haben, statt mal zu fragen, wie es ihren Kindern eigentlich geht. Jetzt reicht es, jetzt muss es mal raus, jetzt sagt er das alles mal, aber er sagt es eigentlich nicht, er schreit nur. Er fühlt Maikes Blick von der Seite, wie sie da wie angewurzelt im Türrahmen steht, und verdammt, es tut ihm leid, es tut ihm so leid, dass er es so oft an ihr ausgelassen hat und eigentlich jetzt auch schon wieder an ihr auslässt. Er will doch immer nur das Beste für alle, es ist nur so schwer, das immer ganz alleine zu wollen. So schwer. Kai fängt an zu weinen, immer noch, ohne den Blick von Papa zu wenden.
Sein Schluchzen trifft Maike, für sein Gebrüll hatte sie ja noch nie Verständnis, aber dass er jetzt weint, das macht ihr ein ganz vages, untiefes Schuldgefühl, als sei sie persönlich dafür verantwortlich, dass er traurig ist. Dennoch, sie will am liebsten die Zimmertür zuschlagen und von diesem ganzen durchgedrehten Pack da draußen nichts wissen. Was muss man denn eigentlich noch alles tun, lassen, ertragen, aushalten, ausbaden, sich anhören, fragt sie sich, wann ist eigentlich einfach mal Ruhe und Leben.
„Kai!“, ruft Mama. Sie läuft um ihn herum, hält ihm ein Taschentuch unter den Rotzfaden, der schon fast bis zu den Knien reicht, „Das tropft auf den Teppich!“ Sie sieht Papa an, seufzt. Papa sagt: „Ich versteh nicht, was dieses andauernde Theater hier soll! Ihr führt euch immer alle auf, als hättet ihr ‘ne Macke. Als würde euch hier irgendwas fehlen. Dabei habt ihr doch alles!“
Was habe ich denn, denkt sich Kai, zu erstaunt, zu schockiert, um irgendwas zu sagen. Er schaut zur Seite, zu Maike, die da stumm glotzend in der Tür zu ihrem Zimmer steht – von der ist immer noch keine Hilfe zu erwarten, keine Unterstützung, nichtmal Trost.
Was haben wir denn, denkt Maike. Einander, leider.

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Gut geschrieben, aber traurig. Leider. Dann schon lieber Liebeswahn;)

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Sehr berührend.

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Es hängt alles davon ab, wieviel Taschengeld die bekommen. Wenn sie mehr als 150 Euro bekommen, tun mir die Blagen nicht leid. Ich behaupte mal, mein Elternhaus war deutlich schlimmer, ich hätte mir gewünscht, etwas weniger beachtet zu werden. 😉

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Nee im Ernst:
Wirklich gut geschrieben. Klare, einfache Sprache, die Charaktere sind interessant und glaubwürdig, man würde gern noch mehr über sie erfahren. Die Eltern sind schon sehr krass, ich finde sie zwar tatsächlich vergleichsweise harmlos, aber die Dreistigkeit mit der sie ihre Kinder missachten ist mir persönlich völlig fremd, das hätten sich die Eltern, die ich so kenne nie getraut so unverhohlen auszuleben. Interessant, wie durch die unterschiedlichen Bewältigungsstrategein von Maike und Kai deren Beziehung gestört wird. Die Lage scheint ausweglos. Ich bin ja zu der Erkenntnis gelangt, dass die beste Therapie für von den Eltern zugefügte Schäden ist, selbst Kinder zu zeugen oder zu adoptieren und die dann auch zu misshandeln. Das hat Alice Miller nicht verstanden. Aufarbeitung durch Primärhtherapie a la Stettbacher funktioniert einfach nicht. Kaputt ist kaputt. Man muss das Kaputte weitergeben, wie in The Ring die Videokassetten mit dem verfluchten Video. Das lindert die eigenen Schmerzen. Brutal aber wahr. Insofern leben wir schon in der besten aller möglichen Welten, nur nicht die Kinderlosen, die sind am Arsch.

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Verstanden vielleicht nicht, aber gemacht hat sie es doch, oder? Dein Humor entwickelt sich in der Eremitage in eine seltsame Richtung.

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Ich habe das Buch von Martin Miller nicht gelesen. Kann mich vage daran erinnern, dass ich gelesen habe, er sei vom Vater geschlagen worden, und Alice hätte ihm nicht geholfen. Ich will da hier im Kommentar zu Heyleys Geschichte auch nicht zu tief einsteigen, obwohl es ja doch irgendwie zum Thema passt. Aber die Situation in der Geschichte ist irgendwie subtiler. Aber das mit dem Schmerzen weitergeben war nur halb im Scherz. Ich glaube wirklich, dass es für viele, die unheilbar kaputt sind die am besten funktionierende psychopalliative Therapie ist, wie man das ethisch beurteilt, ist eine andere Frage. Kindesmisshandlung verhindert wahrscheinlich auch, dass es mehr Serienmörderinnen und Vergewaltigerinnen gibt. Wenn man in der Familie ein Ventil hat für den "Dark Passenger", dann muss man nicht mehr mit Rohypnol, Handschellen und Knebel arbeiten, und es lässt sich auch besser mit einer geregelten Arbeit vereinbaren. Das war jetzt etwas sehr sarkastisch und ich will auch nicht dazu raten, aber ich befürchte, unser Kosmos ist von der Göttin sehr auf den Erfolg von Gewalt getunt.

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Erfolg von Gewalt
Da magst Du Recht haben, auch was das Familienweitergabeventil betrifft. Muss man trotzdem gegensteuern;)
Heyley beschreibt diese Dialogverweigerung und die daraus resultierende Verzweiflung wirklich sehr subtil.

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"Dialogverweigerung" ist ein tolles Wort. Da werde ich noch den Rest des Tages drüber nachdenken.

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